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Bitte Bandbreite verschwenden!

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Martin Altorfer

Martin Altorfer
03.07.2013

Stellen Sie sich vor es hat Bandbreite und keiner braucht Sie. Im Moment überbieten sich Internet Anbieter im Wochenrythmus mit neuen, noch schnelleren Internet-Abos. Blöd ist nur, dass diese Bandbreite im meinen Augen weder von Privaten noch von Firmen wirklich benötigt wird.

Angestachelt wird der Bandbreitenhunger von Privatkunden und im Speziellen vom On-demand-Fernsehen. In den USA verursachen Streaming Dienste wie Netflix und Youtube mittlerweile über 50 Prozent des gesamten Internetverkehrs, während aber in Europa – inklusive der Schweiz – On-demand-Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckt. Dennoch ist davon auszugehen, dass auch der hiesige Konsument in Zukunft seine Filme via Internetabo und Streaming über den Bildschirm flimmern lässt. Ein Fernsehsender in HD-Qualität mit Dolby-Surround-Sound benötigt bei Netflix rund 5Mbit/s. Verbessert man die Qualität durch höhere Auflösung, schaltet mehr Bilder/s und wechselt auf 3D, wächst dieser Bedarf auf 50 bis 100Mbit/s. Gleichzeitig geht man davon aus, dass – zumindest in der Schweiz – in den nächsten fünf Jahren über 80 Prozent der Internetanschlüsse Bandbreiten von 300Mbit/s haben werden. Da sind selbst bei zwei gleichzeitig laufenden Streams nach Adam Riese doch mindestens 100Mbit/s zu viel, und ich sehe beim besten Willen kein bandbreitensüchtiges Cybermonster am Horizont, das diese überflüssigen Bits dankbar verschlingen würde.

Ideen hätte ich ja schon: Gaming, E-Health, Vernetztes Haus, Überwachungssysteme, Daten in der Cloud speichern... Aber all das verbraucht selbst bei verschwenderischem Umgang keine substantielle Bandbreite.

Da läge es doch eigentlich auf der Hand, dass anstelle von mehr Bandbreite einfach der Preis gesenkt würde? Aber das, nein, das kommt ganz sicher nicht in die Tüte. Seit Jahren kosten Internetanschlüsse mit Privatprofilen, d.h. ohne Service Level Agreements, in etwa gleich viel. Der Grund hierfür liegt hauptsächlich im Bestreben der Anbieter Ihren Umsatz und damit die Bruttomarge konstant zu halten – also pure Eigeninteressen. Da sich die physikalische Infrastruktur in die Liegenschaften hauptsächlich auf die zwei Anbieter Cablecom und Swisscom beschränkt, haben Internet Provider ohne eigenes Netz nur beschränkten Spielraum bei der Preisgestaltung.

In eine andere Richtung geht der Bandbreiten-Bedarf in der Geschäftswelt: Die Nutzung von Cloud Anwendungen wie Google Apps oder Office 365  sowie die Verwendung von Desktop-Virtualisierung führen dazu, dass der Bedarf an Bandbreite seitens der Firmen sinkt (jawohl, sinkt!). Ein virtualisierter bzw „cloudisierter“ Arbeitsplatz benötigt noch rund 100kbit/s - ein Bruchteil verglichen mit traditionellen „On-Site Setup“. Das grosse Datenvolumen fällt damit nicht mehr am Arbeitsplatz, sondern in den Data Centern an. So sieht es auch bei unserem Unternehmen Cyberlink AG aus: Wir sind als Internet Service Provider definitiv Power-User, das heisst ohne Netz geht bei uns rein gar nichts. Unsere Office- und ERP-Infrastruktur haben wir in unseren Data Centern gelagert. Mit unseren rund 30 Angestellten benötigen wir zurzeit durchschnittlich 7 Mbit/s. Es ist mir eindeutig unklar, wie sich dieser Bedarf in Zukunft signifikant steigern sollte. 

Signifikant wirkt sich jedoch die Verlagerung von Diensten in Cloud und Datacenter auf die Verfügbarkeitsanforderungen von Internetanschlüssen aus. Vor einigen Jahren konnten die meisten Unternehmen mit dem Risiko eines gelegentlichen Internet-ausfalls leben. Heute kaum mehr: Treten Probleme mit dem Internetanschluss auf, steht das ganze Unternehmen still. Hier spielt dann das Service-Level-Agreement und ein allfällig redundantes Setup eine viel wesentlichere Rolle als die Geschwindigkeit des Anschlusses. IT Chefs würde ich raten zu überprüfen wie viel Bandbreite im Unternehmen effektiv benötigt wird und gegebenenfalls anstelle eines Upgrades der Bandbreite eine zweite, redundante Leitung ins Auge zu fassen. Qualität ist wichtiger als Quantität.

Langer Rede kurzer Sinn – Firmen benötigen durch Nutzung von Cloud-Diensten tendenziell weniger Bandbreite, treibende Kraft ist hier vielmehr der Privathaushalt. Und ob der die verfügbaren Geschwindigkeiten einst tatsächlich nutzen wird, ist sehr fragwürdig. 


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