Ein Netz statt vieler Einzelverbindungen: Der Weg der Semax AG ins SSUN.
Die Semax AG betreibt mit Amera HES eine zentrale SaaS-Plattform, über die rund 500’000 Smart Meter bewirtschaftet werden. 60 Kunden aus der Schweizer Energiewirtschaft sind angeschlossen – heute jeder über eine eigene IPSec-/VPN-Strecke. Das ist aufwendig im Betrieb und vergrössert die Angriffsfläche mit jeder neuen Verbindung. Gemeinsam mit Cyberlink geht Semax deshalb einen anderen Weg: Das Secure Swiss Utility Network (SSUN) ersetzt die Einzelverbindungen durch einen geschlossenen Vertrauensbereich, vollständig isoliert vom öffentlichen Internet. Semax ist seit November 2025 SSUN-Teilnehmerin und der Proof of Concept ist erfolgreich abgeschlossen. Das Ziel: eine Infrastruktur, in der sich ein Energieversorger einmal anbindet und danach alle berechtigten Marktpartner erreicht funktioniert und kann mit wenig Aufwand umgesetzt werden.
Projektdaten
Lösung / Services: SCION Access Service, SSUN-Anbindung, SCION EDGE (Anapaya), Managed Service
Connectivity Provider: Cyberlink AG
Technologie: SCION (entwickelt an der ETH Zürich), Anapaya
Branche: Energiewirtschaft / Smart Metering
Kunde: Semax AG, Cham (ZG) – Schweizer Smart-Metering-Spezialistin seit 2011
Unternehmensgrösse: 100+ Mitarbeitende, rund 130 EVU als Kunden
Plattform: Amera HES 2.0 (SaaS), rund 500’000 Smart Meter, 60 angeschlossene Kunden über IPSec/VPN
SSUN-Teilnehmerin seit: 6. November 2025 (SSUN verfügbar seit 1. Juli 2025)
Projektstand: operativ
Herausforderung
Über Amera HES werden rund 500’000 Smart Meter bewirtschaftet. 60 Kunden aus der Schweizer Energiewirtschaft sind an die Plattform angebunden – bisher jeder über eine eigene IPSec-/VPN-Verbindung. Was bei wenigen Strecken gut funktioniert, wird bei 60 zum Betriebsthema: unterschiedliche Firewall-Technologien, individuelle Konfigurationen und für jede neue Anbindung faktisch ein eigenes Projekt. Parallel dazu steigt die Bedrohungslage. Smart-Metering-Systeme werden als Ziel zunehmend attraktiv, DDoS-Angriffe und Zero-Day-Schwachstellen in VPN-Gateways sind reale Risiken. Über das öffentliche Internet lässt sich zudem nicht steuern, welchen Weg die Daten tatsächlich nehmen – Pfadkontrolle und Nachvollziehbarkeit fehlen. Dazu kommt die Regulierung: die Meldepflicht bei Cyberangriffen, die Anforderungen an kritische Infrastrukturen und der wachsende Datenaustausch mit Marktpartnern – von der Bilanzgruppe über Swissgrid bis zur nationalen Datenplattform. Jede zusätzliche Schnittstelle erhöht sowohl den Betriebsaufwand als auch die Angriffsfläche. Semax suchte deshalb keine weitere Einzellösung, sondern eine Antwort, die langfristig trägt: eine gemeinsame, sichere Infrastruktur für die ganze Branche, die besonders sensible Komponenten wie Amera HES und das Key-Management-System (KMS) zuverlässig schützt.
Der Ansatz
Die Antwort heisst SSUN – Secure Swiss Utility Network. Das SSUN ist ein isoliertes Hochsicherheitsnetzwerk für die Schweizer Energiewirtschaft, aufgebaut auf der SCION-Architektur. Es steht seit dem 1. Juli 2025 zur Verfügung, Semax ist seit dem 6. November 2025 Teilnehmerin. Cyberlink verantwortet als zugelassener Provider die Anbindung und den Betrieb. Statt einzelner VPN-Strecken verbinden sich alle Teilnehmer über einen SCION EDGE einmalig mit dem SSUN. Innerhalb dieser Closed Isolation Domain sind ausschliesslich bekannte, zertifizierte Teilnehmer erreichbar – die Amera-HES-Plattform ist aus dem öffentlichen Internet nicht sichtbar. Der Datenverkehr läuft über definierte, überprüfbare Pfade, wird Ende-zu-Ende verschlüsselt und lässt sich geografisch steuern. Das schützt vor DDoS-Angriffen, BGP-Hijacking und Zero-Day-Schwachstellen in internetseitigen Gateways. Damit verändert sich auch die Betriebslogik: Ein neuer Marktpartner wird einmal angebunden und ist anschliessend über definierte Pfade für alle berechtigten SSUN-Teilnehmer erreichbar. Aus einem Netzwerkprojekt pro Verbindung wird eine Freigabe. Der Nutzen wächst dabei mit der Zahl der Teilnehmer: Je mehr Energieversorger, Plattformanbieter und Dienstleister im SSUN sind, desto mehr Verbindungen lassen sich über eine einzige Anbindung abdecken.
Aktueller Stand
Semax und Cyberlink haben mit einem Proof of Concept das Zusammenspiel zwischen Amera HES und dem SSUN, der Anbindungsprozess für einen Energieversorger sowie der Betrieb im Alltag erfolgreich geprüft. Auf dieser Grundlage entstand ein standardisiertes Vorgehen, mit dem sich weitere Kunden ohne Einzelprojekt anbinden lassen.
Energieversorger, die ihre Anbindung an Amera HES künftig über das SSUN führen möchten, können sich bereits jetzt melden – je früher, desto direkter fliessen ihre Anforderungen in das Vorgehen ein.
Rollen im Projekt
Cyberlink AG
- Vertrag und Vertragswesen
- SCION EDGE inklusive Anapaya-Lizenzierung
- SSUN-Anbindung und technische Umsetzung
- Managed Service und Betrieb
Semax AG
- Beratung der Energieversorger
- Begleitung der Inbetriebnahme
- Voraussetzungen beim Energieversorger
- Rackplatz von 1 HE für den SCION EDGE
- IT-Ansprechpartner Mitwirkung während der Inbetriebnahme
«Mit Amera HES betreiben wir kritische Infrastruktur. Jede zusätzliche VPN-Verbindung erhöht unsere Komplexität – und unsere Angriffsfläche gleich mit. Mit dem SSUN drehen wir diese Logik um: Ein Energieversorger bindet sich einmal an und erreicht danach alle berechtigten Partner über definierte, kontrollierte Pfade.»
Daniel Limacher | Product and Sales Specialist, Semax AG
Der Ansatz in Kürze
- Geschlossener Vertrauensbereich: Das SSUN isoliert die Kommunikation vollständig vom öffentlichen Internet – die Amera-HES-Plattform ist von aussen nicht erreichbar.
- Verschlüsselung out of the box: Sichere Verbindungen zwischen Marktpartnern sind Teil der Infrastruktur und müssen nicht pro Strecke, zwischen unetrschiedlichen Firewall-Typen, explizit aufgebaut werden.
- Pfadkontrolle statt Blindflug: Definierte, überprüfbare und geografisch steuerbare Datenwege – resistent gegen DDoS-Angriffe und BGP-Hijacking.
- Reduzierter Angriffsvektor: Eine kontrollierte Infrastruktur ersetzt 60 individuelle VPN-/MPLS-Verbindungen mit unterschiedlichen Technologien.
- Einmal anbinden, mehrfach nutzen: Neue Marktpartner und Services lassen sich ohne eigenes Netzwerkprojekt integrieren.
- Tiefere Betriebskosten: Weniger Einzelverbindungen bedeuten weniger Konfigurationsaufwand, weniger Fehlerquellen und eine spürbare Entlastung der IT.
- Schutz für kritische Komponenten: Amera HES und das KMS erhalten eine zusätzliche Schutzschicht genau dort, wo ein Vorfall die grössten Auswirkungen hätte.
- Regulatorisch tragfähig: Sicherheit ist gesetzliche Pflicht – das SSUN liefert die gemeinsame Infrastruktur, um diese Anforderungen dauerhaft zu erfüllen.
Mit dem SSUN hat Semax eine Basis geschaffen, die mit der Branche mitwächst: Je mehr Energieversorger, Plattformanbieter und Dienstleister teilnehmen, desto grösser wird der Nutzen für alle Beteiligten.
Weiterführende Links
Erfahre mehr über die SCION-Lösungen von Cyberlink:
Semax AG
Die Semax AG mit Sitz in Cham ist seit 2011 Schweizer Spezialistin für Smart Metering. Über 100 Mitarbeitende entwickeln und produzieren die Ensor-Smart-Meter in der Schweiz und betreiben mit Amera HES 2.0 ein zertifiziertes Head-End-System als SaaS. Rund 130 Energieversorgungsunternehmen zählen zu den Kunden.
Semax AG