Interview: Grundsätzlich kann jedes Unternehmen Cloud-Services nutzen

Sebastian Kirsch
18. Dezember 2020

Cloudbasierte Dienste bringen Unternehmen dazu, ihre Prioritäten, wie etwa Compliance, neu zu evaluieren. Wieso Unternehmen mit hohen Compliance-Anforderungen sich nicht vor der Cloud scheuen sollten, erklärt Sebastian Kirsch, Lead Engineer Cloud Services bei Cyberlink

Ist es für Unternehmen nicht gefährlich so viel Kontrolle aus der Hand zu geben?

Sebastian Kirsch: Chancen und Risiken gilt es in jedem Fall abzuwägen. Durch passende SLAs mit dem Cloud-Anbieter können Risiken aber so minimiert werden, dass die Vorteile überwiegen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine sehr hohe garantierte Serviceverfügbarkeit von mehr als 99,9% und eine Rückerstattung,falls diese Verfügbarkeit nicht erreicht wird. Wie bei allen geschäftskritischen Themen gilt es auch hier, vorab eine passende Business-Continuity-Strategie zu definieren, die eventuelle Störungen oder sogar mögliche Ausfälle des SaaS-Dienstes mitberücksichtigt. Auch im IaaS-Kontext sind SLAs relevant, jedoch können auf dieser Stufe auch moderne Architekturansätze Risiken minimieren.

 

Wie verändern cloudbasierte Anwendungen die Arbeitsweise in Unternehmen?

Beim Einsatz von Cloud-Diensten rücken Themen wie Datenschutz, Compliance, Ausfallsicherheit und auch Connectivity in den Vordergrund. Hingegen fällt beim späteren Betrieb der Aufwand für Wartung geringer aus, denn Updates und Infrastruktur liegen in der Verantwortung des Cloud-Anbieters. Unternehmen brauchen aber weiterhin eigene IT-Mitarbeiter, die sich mit der jeweiligen Software auskennen und als Bindeglied zum Cloud-Dienstleister fungieren.

 

Was ist mit Organisationen, die hohe Compliance-Anforderungen haben?

Grundsätzlich kann jedes Unternehmen Cloud Services nutzen, aber nicht jedes Unternehmen «einfach so» und nicht unbedingt jede beliebige Cloud. Ein Beispiel: Einer der grössten Cloud-Anbieter der Welt ist ein relativ unbekanntes Unternehmen in Grossbritannien. Mit Fokus auf Behörden und den Gesundheitssektor in UK bieten sie ausschliesslich für diese Klientel IaaS-, PaaS- und SaaS-Lösungen an, also für sehr stark reglementierte Bereiche,die hohen Auflagen unterliegen. Dies ist ein schönes Beispiel, dass Compliance und sonstige rechtliche Rahmenbedingungen nicht unbedingt ein Grund dafür sind, Cloud Services nicht nutzen zu können. Aber für alle Unternehmen und Anwendungsfälle gilt: Es braucht den richtigen Partner. Im Übrigen gibt es auch auf dem Schweizer Markt Cloud-Anbieter, die hohe Compliance-Anforderungen erfüllen können. ISO-Zertifizierungen oder ISAE-Attestierungen können hierfür als Orientierungshilfe dienen.

 

Gibt es noch weitere Trends im Markt, die interessant sind?

Containerisierung, Hybrid- und Multi Clouds sind starke zukunftsweisende Trends, die meines Erachtens viel Potenzial haben und den Markt nachhaltig verändern werden. Sonst gibt es noch eine Tendenz zu mehr cloudbasierten Applikationen. Seien es Lösungen für Monitoring, Mobile Device Management, Dokumentenmanagement, Archivierung oder Collaboration Tools. Das stabile Wachstum im IaaS- und PaaS-Bereich wird bleiben und die Nachfrage nach Desktop-as-a-Service-Lösungen wurde durch die Pandemie nochmals verstärkt. Nicht zu vergessen die zwei Dauerbrenner: Migrationsdienstleistungen und DRaaS.

 

Werden KMUs durch das breite Angebot an Cloud(basierten) Leistungen nicht verwirrt?

Nein, das sehe ich nicht so. Ein guter Cloud-Anbieter geht von den Bedürfnissen des Kunden aus und erarbeitet dann eine unternehmensspezifische Lösung und nicht umgekehrt. So kommen auch nur unternehmensrelevante Services zum Tragen.

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